Kernbohrung
Vor einer Kernbohrung im Altbau müssen Wandaufbau, mögliche Leitungen, Bewehrung und ein begründeter Schadstoffverdacht geklärt werden. Alte Pläne und einfache Ortungsgeräte liefern Hinweise, aber keine Ausführungsfreigabe. Erst die Bestandsprüfung macht Bohrpunkt, Schutzmaßnahmen und Durchmesser belastbar.

Eine glatte Wand sagt wenig über ihren inneren Aufbau aus. Hinter Putz können Ziegel, Naturstein, Beton, Hohlräume, alte Durchbrüche und nachträglich verlegte Leitungen auf engem Raum zusammentreffen. Deshalb beginnt eine Kernbohrung im Altbau mit der Frage, was bekannt ist und welche Unsicherheit noch geprüft werden muss.
Pläne und Ortung richtig einordnen
Bauzeichnungen, Umbauunterlagen und Leitungspläne grenzen mögliche Verläufe ein. Sie können im Bestand jedoch unvollständig oder überholt sein. Sichtbare Steckdosen, Schalter, Rohre und Anschlüsse helfen, wahrscheinliche Installationszonen zu erkennen. Eine technische Ortung ergänzt diese Hinweise, ersetzt aber weder die Bewertung des Bauteils noch die Freigabe einer kritischen Bohrstelle.
Bei Decken und tragenden Bauteilen kommt die Bewehrung hinzu. Wird Metall angezeigt oder ändert sich das Material unerwartet, wird die Lage neu bewertet. Ein Treffer darf nicht einfach mit höherem Druck durchbohrt werden, weil Verlauf, Tragwirkung und späterer Anschluss betroffen sein können.
Schadstoffverdacht vor Staubarbeiten klären
In älteren Gebäuden können schadstoffhaltige Bauprodukte auch in Putzen, Spachtelmassen, Fliesenklebern oder Kitten vorkommen. Besonders bei Gebäuden mit Baubeginn vor dem 31. Oktober 1993 ist ein begründeter Asbestverdacht vor staubfreisetzender Bearbeitung fachgerecht zu erkunden. Farbe oder Aussehen eines Materials reichen für eine sichere Einordnung nicht aus.
Die Erkundung gehört zeitlich vor den Bohrtermin. Erst der Befund zeigt, ob besondere Schutz- und Entsorgungsmaßnahmen erforderlich sind. Damit bleibt die Baustelle planbar und unbekanntes Material wird nicht versehentlich geöffnet.
Bohrpunkt von beiden Wandseiten planen
Der gewünschte Austritt wird ebenso geprüft wie der Eintritt. Außen können Kanten, Fallrohre, Fassadenteile oder spätere Anschlüsse kollidieren; innen bestimmen Möbel, Installationen und die Route des Zielgewerks den sinnvollen Punkt. Wandstärke, Bohrwinkel, Durchmesser sowie Staub- oder Wasserführung werden erst danach festgelegt.
Tritt beim Bohren ein Hohlraum, Bewehrung oder ein Materialwechsel auf, wird unterbrochen und neu bewertet. Diese Unterbrechung ist kein Fehler, sondern Teil einer sauberen Bestandsarbeit.
Diese Angaben für die Prüfung sammeln
Baujahr sowie bekannte Umbauten und frühere Durchbrüche
Fotos der vorgesehenen Stelle von innen und außen
vorhandene Leitungs-, Grundriss- oder Statikunterlagen
Wandstärke, Raumnutzung und empfindliche angrenzende Bereiche
Hinweise auf Feuchte, ungewöhnliche Beschichtungen oder Schadstoffverdacht
Passende Ratgeber: Kernbohrungen für Heizung und Lüftung planen und Schutzmaßnahmen für eine staubarme Kernbohrung.
Quellen zur Vertiefung
Die Quellen dienen der allgemeinen technischen Orientierung. Sie ersetzen keine Prüfung des konkreten Gebäudes, keine Herstellerunterlage und keine fachliche Planung vor Ort.
Bildhinweis: KI-generierte Illustration, kein ausgeführtes Kundenprojekt.
Kernbohrung im Sanierungsablauf abstimmen
Beschreiben Sie Lux den Ort, das Baujahr, den vorgesehenen Anschluss und den bekannten Wandaufbau. So lässt sich besprechen, welche Bestandsprüfung vor der Kernbohrung noch nötig ist. Fotos beider Seiten und vorhandene Pläne können Sie für die weitere Abstimmung bereithalten.


